FAQ

Was ist eigentlich Mysore?

Was ist Mysore?
  1. eine Stadt in Südindien
  2. eine Unterrichtsform im Ashtanga Yoga

Diese Unterrichtsform ist nach der südindischen Stadt Mysore (gesprochen: Meissohr) benannt, da dort ihr Ursprung wurzelt. Sie beschreibt eine Form des Übens, die man nur im Ashtanga Yoga findet. In dieser Klasse entwickelst du mit der Führung eines Lehrers eine selbständige Yogapraxis, in der du unabhängig von allen anderen anwesenden Schülern deine individuelle Intensität, Dauer und Menge an Übungen der Serien festlegst. Der Lehrer assistiert, adjustet und erklärt individuelle Herangehensweisen.

Was sind diese „Serien“?

Das Grundmuster jeder Serie ist gleich: die Praxis beginnt immer mit je 3-5 Sonnengrüßen A und B, gefolgt von den gleichen Standpositionen. Danach wechselt jeder in die entsprechende Serie, bis zu der er gerade übt und fügt deren Haltungen soweit an die Standpositionen an, bis er zu dem Asana gelangt, das nicht mehr möglich ist. An der Stelle stoppt er und wechselt in die sogenannte Abschluss-Serie, die wiederum für alle Serien gleich ist. Am Ende folgen mindestens 10 Minuten Endentspannung.

Deswegen sieht es am Anfang eher verwirrend aus, wenn man eine Mysore-Klasse betritt, da jeder scheinbar völlig willkürlich ein Asana an das nächste reiht. Mit der Zeit strukturiert sich das Bild und du erkennst die einzelnen Sequenzen und die Serien und es fängt an einen Sinn zu ergeben.

Insgesamt gibt es 6 Serien. Jede baut auf der Vorhergehenden auf. Der sogenannten ersten Serie werden stark entgiftende Wirkungen zu geschrieben, die zweite Serie stärkt die feinstofflichen Energiekanäle die 3. – 6. Serie entwickeln große Kraft der Körpermitte.

Die Zeiten für die Mysore-Klassen sind so lang. So viel Zeit und Kraft habe ich nicht?

Wir erwarten nicht, dass du die gesamte Dauer der angebotenen Mysore-Klasse übst. Wir bieten diese Klasse einfach nur etwas länger als die anderen Klassen an, damit diejenigen die die komplette Serie üben wollen, genügend Zeit dafür haben. Aber du „musst“ nicht die ganze Zeit da sein und praktizieren. Du kommst innerhalb des angegebenen Zeitrahmens der Klasse zum selbstgewählten Beginn und übst so lange wie du an diesem Tag praktizieren kannst und willst.

Die meisten Schüler benötigen etwas 1,5 bis 2 Stunden um die Serie komplett auszuführen. Doch gibt es auch Schüler, die therapeutisch üben, weil sie an einer Verletzung arbeiten und eine individuelle Länge und Sequenz mit uns Lehrern herausfinden. Oder Anfänger, die mit einem kürzeren Programm von vielleicht 45min einsteigen.

Wie ist der Ablauf, wenn ich nur für 1 Stunde üben kann, die Klasse aber 2 Stunden dauert?

Innerhalb des angegeben Zeitrahmens der Klasse kannst du kommen und gehen wie du magst. Da das alle Schüler machen, ist ein ständiges Kommen und Gehen und jeder übt gerade an seiner Stelle der Serie. Wenn du später kommst, als die Klasse gestartet hat, kommst du ruhig in den Raum und rollst deine Matte aus. Du kannst entweder mit deinem Pranayama oder mit Dehnungsübungen oder direkt mit den Sonnengrüßen beginnen. Danach reihst du so viele Stand- und Sitzhaltungen aneinander, dass du im Anschluss auf jeden Fall noch genügend Zeit für die Abschluss-Serie und Savasana hast.

Wenn du zu Beginn der Klasse mit allen anderen gemeinsam startest und früher enden möchtest, dann übst du wie oben beschrieben deinen Part der Serie und gehst nach Savasana leise aus dem Raum.

Was muss ich als Basis-Wissen mitbringen um in Mysore üben zu können?

Ein Grundverständnis des Sonnengrußes A und der ersten Standpositionen sind von Vorteil, damit nicht alles neu für dich ist. Anfangs kannst du gerne ein Poster mit der Abfolge der Asanas neben deine Matte legen. Idealerweise prägst du dir mit der Zeit die Übungsabfolge immer besser ein, so dass du immer selbständiger durch die Serie findest. Wir Lehrer:innen unterstützen dich gerne dabei, damit du die Grundstruktur der Serie immer besser kennenlernst und keine Übersicht mehr brauchst.

Wie weiß ich, wann ich einatmen oder ausatmen muss?

Als allgemeine Regel kannst du dir merken dass mit dem Einatmen (prana) ausdehnende, öffnende, hebende Bewegungen einhergehen.

Mit dem Ausatem (apana) sind die Bewegungen eher zusammenziehend, drehend, nach unten strebend.

Wie läuft diese Klasse ab?

Du kannst, wenn der Yogaraum frei ist, bereits vor dem offiziellen Klassenstart mit deinem Pranayama oder Dehnungsübungen beginnen. Zum gemeinsamen Beginn der Klasse, singen wir das Eingangsmantra zusammen. Dafür unterbrichst du gegebenenfalls kurz deine Vorübungen oder deine ersten Sonnengrüße. Danach knüpfst du wieder an deine vorherige Übung an. Wenn du etwas später kommst und das Eingangsmantra bereits gesungen wurde, rezitierst du es alleine bevor du mit den Sonnengrüßen beginnst.

Die Menge, die Intensität und die Dauer des Unterrichts bestimmst du selbst innerhalb der vorgegebenen Zeit. Du kannst Fragen zu Asanas stellen und bei uns auch gerne Hilfsmittel benutzen.

20 Minuten vor Klassenende kannst du in etwa mit der Abschluss-Serie beginnen und dann hast du noch 10 Minuten Zeit um in Savasana ruhen zu können. Zum Abschluss singt jede:r Schüler:in das Abschluss-Mantra für sich.

Wenn kein Lehrer die Klasse ansagt, wie weiß ich dann, was als nächste Übung kommt?

Der Ablauf der Übungen ist immer derselbe. Nach einigen Wiederholungen wirst du dir die meisten Übungen in ihrer Reihenfolge bereits gut merken können. Fehlt trotzdem mal die Idee, was nun an der Reihe ist, kannst du auch jederzeit auf eines unserer Poster schauen und dich vergewissern, was als nächstes kommt.

Manchmal hast du auch eine:n Mitschüler:in, die:der in ähnlichem Tempo wie du übt, bei der:dem du dich immer mal wieder orientieren kannst. Und natürlich kannst du uns Lehrer:innen immer ein Zeichen geben, wenn du nicht mehr weiterweißt.

Wie mache ich mich bemerkbar, wenn ich eine Frage habe?

Normalerweise sehen wir Lehrer:innen, wenn ein: Schüler:in stoppt und kommen dann so bald es möglich ist zu dir. Trotzdem kannst du jederzeit ein Zeichen geben, indem du die Hand hebst. Unüblich ist es durch den Raum zu rufen oder zur:m Lehrer:in zu gehen, beides erzeugt Unruhe für die konzentriert übenden Mitschüler:innen.

Warum kann ich mir nicht einfach die Asanas so zusammenstellen wie ich es möchte?

Der Sequenz zu folgen hat sehr viele Gründe. Zunächst bereitet jede Übung die darauffolgende vor. Eine Übung wegzulassen, weil du sie nicht magst, schwächt dich auf lange Sicht. Denn gerade diese Übungen sind meist diejenigen, die dich am besten in deiner Entwicklung unterstützen.

Vertrauen in dieses Erfahrungswissen zu haben, erzeugt Ruhe. Du gelangst durch dieses stetige Folgen des Ablaufs der Serie in einen meditativen Zustand, des Nicht-Wählens. Das Wählen wie z.B. „das Asana mag ich, das mache ich mal 20 Atemzüge, jenes Asana mag ich nicht und lasse es weg“, entfällt.

Durch die Wiederholung der Abfolge, bestenfalls täglich, entsteht ein Rhythmus und meditativer Zustand auf ganz natürliche Art.

Was macht die Mysore-Klasse so besonders?

Weil nur du selbst bestimmst und niemand außerhalb von dir sagt, was du tun sollst. Damit kannst du weit aus mehr in dich selber hineinspüren, wie viel und wie intensiv du üben möchtest, als in einer anderen Unterrichtsstunde. So wird deine Yogapraxis sehr authentisch. Ohne direkte Anleitung durch eine:n Lehrer:in hast du die Möglichkeit noch stärker bei dir selbst zu bleiben und auftauchende Gedanken, Gefühle, Bilder wahrzunehmen und damit den instinktiven Vorgang des „Habenwollens“ bei angenehmen Übungen und des „Ablehnens“ bei unangenehmen Asanas zu stoppen. Dieses Wählen tritt immer mehr zurück und gibt einer ruhigen meditativen Praxis Raum.

Ich habe gehört, dass es in Mysore sehr intensive Adjustments gibt. Kann ich dadurch verletzt werden?

Adjustments bzw. Hilfestellungen können sehr subtil sein oder sehr intensiv und sollten natürlich nie verletzen. Die kräftigeren Adjustments werden von uns Lehrern auch erst gegeben, wenn wir dich bereits länger kennen und sehr genau abschätzen können, wie viel Zug oder Schub dein Körper benötigt. Bei uns werden die Adjustments graduell verstärkt und parallel zu deinem Atemrhythmus ausgeführt. Durch das langsame Annähern an das tiefer Adjustment hast du jederzeit die Möglichkeit ein Zeichen zu geben, wenn du das Gefühl hast, dass es reicht. International ist es üblich, als Schüler Stopp zu sagen. Und in dieser Selbstverantwortung stehst du als Schüler und solltest dies immer nutzen. Ein gelungenes Adjustment lässt dich tiefer in die Übung gleiten, führt dich in Bereiche, die du mit eigener Kraft noch nicht erreichen kannst und hinterlässt dem Körpergedächtnis einen tiefen Eindruck. Diesen kannst du beim nächsten Ausführen der Übung wieder abrufen und weißt instinktiv wohin die Übung gehen soll.

Außerdem ist es ganz wichtig, dass du bei einer Verletzung oder bei Unwohlsein uns Lehrern und Lehrerinnen Bescheid gibst. Wir können dann zu bestimmten Haltungen raten oder Ersatzhaltungen herausfinden, die die Heilung begünstigen.

Wer übt in den Mysore-Klassen?

Alle. Vom Anfänger über Verletzte zu Fortgeschrittenen, die schon viele Jahre Ashtanga üben. Auch das Alter spielt überhaupt keine Rolle. Du triffst auf Übende jeglichen Alters.

Wann kann ich mit einer neuen Haltung oder einer neuen Serie beginnen?

Da wir Lehrer:innen sehr individuell mit dir die Übungen erforschen, erkennen wir, wann die Kraft und die Dehnung vorhanden sind, um ein neues Asana zu erlernen. Wenn du ganz regelmäßig zur Mysore-Klasse kommst und du über einige Wochen hinweg stabil die Sequenz praktizierst, die du zur Zeit beherrschst, dann besprechen wir die nächste Haltung.

Teilweise sehe ich andere Schüler, die sich zum Sitzen durchheben. Muss ich das können?

Herzlich willkommen im Club! Nein. Anfangs können das wirklich nur sehr wenige Menschen. Und darauf kommt es auch nicht an. Wenn du mit einer regelmäßigen Praxis beginnst, musst du gar nichts von diesen speziellen Dingen tun. Aber mit der Zeit können sich diese Elemente entwickeln, deswegen heißt es „Praxis“.